Hallo Gast!

Navigation mit Tastenkürzeln: T führt zum eigentlichen Inhalt dieser Seite; M führt zum Hauptmenü; S führt zur Seitenleiste.

Auf dieser Seite gibt es ein Kontextmenü; Du kannst es mit dem Tastenkürzel K erreichen.

VI. Der Gast

Erzählung zum Thema Entscheidung
von TrekanBelluvitsh.

Dieser Text ist Teil eines mehrteiligen Textes.Hier gelangst Du wieder zum Inhaltsverzeichnis.

VI. Der Gast

Was bisher geschah:
Ein Wanderer ist unterwegs. Im tiefen Winter erreicht er ein Dorf. In einer Schenke findet er Unterschlupf, etwas zu Essen und fröhliche Einwohner. Dann tritt ein herrschaftlich gekleideter kleiner Mann ein, der dem Wirt Steuern abpressen will. Der Fremde verpasst ihm darauf eine Abreibung. Der Mann - sein Name ist Lord Corax - eilt zu der Burg seines Herren zurück und erstattet Bericht. Der Herzog befiehlt dem Profos darauf eine sofortige Strafexpedition nach Warhofen.



"Ich danke Euch für eure Hilfe, Fremder. Ich bin der Schultheiß von Warhofen und muss sagen, dass ich froh bin, dass diesem Kerl mal gezeigt wurde, was der aufrechte Zorn ehrlicher Menschen zu verbringen mag."
  Ein unauffälliger Mann mit grauem Haar in einer grauen Schürze und mit grauer Haut war vorgetreten und schüttelte dem Fremden unter den neugierigen Blicken der anderen Gäste in der Schänke die Hand. Es wurde gemurmelt und einige nickten auch, oder grinsten, doch vor allem waren alle gespannt. Denn der Fremde hatte seine Kapuze immer noch nicht vom Kopf gezogen und auch während des kurzen und einseitigen Kampf mit Lord Corax war sie nicht verrutscht. Der Schultheiß legte den Kopf zur Seite, in der Hoffnung so etwas mehr zu sehen. Der Fremde aber nahm die Hand nach oben und zog die Kapuze noch etwas tiefer.
  "Seid mir nicht bös, meine Herren, aber meine Augen sind empfindlich", sagte er. "Sind sie direktem Licht ausgesetzt, bin ich nahezu blind. Nur wenn ich sie im Schatten halte, tun sie ihren Dienst."
  "Ah, so, so", meldet sich da überraschend der Wirt zu Wort. "Ein Geburtsfehler nehme ich an?"
  Der untere Teil des Gesichts des Fremden lächelte. "So ungefähr."

Der Schultheiß aber schien zufrieden mit dieser Antwort. "Wir haben alle unsere Zipperlein, der eine größere, der andere kleinere. Wenn er dann sein Leben meistert, wie Ihr es tut, mein Herr, halte ich das nur für lobenswert. Kommt, setzt Euch zu uns an den Tisch. Eure Tat muss gefeiert werden. Wirt! Met, Bier und Pökelfleisch und macht ein Fass mit den eingelegten Birnen auf. Heute wollen wir es uns gut gehen lassen. Wir haben es verdient!"
  So kam es, dass die Stimmung im Gasthaus von Warhofen nach dem Besuch von Lord Corax, der ein so plötzliches Ende gefunden hatte, noch besser war, als zuvor. Die Musik spielte wieder auf, es wurde getanzt und gelacht. Jeder schlug dem Fremden auf die Schulter, doch so richtig ins Gespräch kam niemand mit ihm. Das spielte aber auch keine Rolle, denn die Dorfbewohner waren sehr zufrieden. Als der Abend in die Nacht überging und langsam ausklang, lud der Schultheiß den Fremden ein, bei ihm und seiner Familie zu übernachten. Der willigte mit einem Kapuzennicken ein. Die Ersten, dann die Übrigen verließen die Schänke, nicht alle auf ihren eigenen Beinen und nicht alle machten sich auf den üblichen Weg nach Hause. Arm in Arm verschwanden so manche Gestalten in der Dunkelheit. Schließlich gingen auch der Fremde und der Schultheiß, Letzterer dick vermummt, weil die Kälte auch auf kurzen Wegen im Winter großen Schaden anrichten kann. Der Wirt stand da und schaute ihnen nach, schloss die Tür jedoch frierend sehr schnell. Von Innen lehnte er sich gegen sie. Kannte er die Stimme des Fremden? Hatte er sie nicht schon einmal gehört, damals, vor langer Zeit? Er schüttelte den Kopf. Dieser Abend war einfach zu aufregend gewesen. So viel geschah in Warhofen sonst nicht in einer Nacht.



Das Haus des Schultheiß war nicht besser als das der anderen. Allerdings hatte er keine Logiergäste, musste keine zusätzlichen Münder durch den Winter bringen. Auch darum wurden er und der Fremde von seiner Frau freundlich empfangen. Die Kinder, es waren drei an der Zahl, schliefen bereits nahe dem Ofen. Der Schultheiß ließ seine Frau Essigwasser holen – er wusste, dass er dem Met genug zugesprochen hatte – und die drei setzten sich an einen Tisch. Dort erzählte der Ehemann seiner Frau, was sich an diesem Abend ereignet hatte und warum sie in dieser Nacht einen Gast unter ihrem Dach hatten. Der Fremde nickte nur, sagte aber nichts. Die Frau schlug die Hände zusammen. Sie wollte die Kinder wecken, damit sie den heldenhaften Besuch kennenlernten. Doch der lehnte heftig ab, meinte, das habe noch Zeit.

Nachdem sie ausgetrunken hatten, bereiteten Mann und Frau dem Fremden ein Lager aus Stroh, auf das sie ihre beste Decke legten. Freundlichkeiten wechselten hin und her, dann legten sich alle nieder, der Fremde so wie er war. Aber er tat nur so, als erwarte er die Erquickungen des Schlafs. Stattdessen wachte er, schloss kein Auge, hörte auf die Atemzüge der anderen. Als diese regelmäßig wurden, war er zufrieden. Seine Hand ging zu der dünnen Lederhülle an seinem Bein. Wegen ihren vielen Falten und der Farbe, die seinen Beinkleidern so sehr ähnelte, hatte niemand das Kurzschwert, das in der Scheide darunter lauerte, erkannt. Er zog leicht an dem Griff. Die Schneide war nicht festgefroren, was eine gute Sache war. Darauf zog er langsam seinen Rucksack zu sich heran und öffnete ihn. Die Sehne des Reflexbogens war immer noch geschmeidig, was er erwartet hatte, schließlich rieb er sie regelmäßig mit Talg ein und spannte sie neu. Die drei kurzen Pfeile in dem Köcher waren mehr als genug. Beruhigt wartete er weiter. Nach einigen Stunden hörte er leise Schnauben von Pferden. Die Kälte musste ihnen arg zusetzen. Er zählte fünf verschiedene Tiere. Fußsoldaten würden sie Nachts bei dieser Kälte kaum mit sich nehmen. Fünf zu eins. Er hatte schon sehr viel schlimmere Kämpfe durchgestanden. Lautlos erhob der Fremde sich, schlich zu Tür und öffnete auch diese ohne ein Geräusch. Er lief einige Schritte durch den Schnee und erblickte dann das fahle Licht der näher kommenden Fackeln. Die Reiter waren noch eine gute Meile entfernt. Das war Zeit genug. Der Fremde schaute sich um.  Er entdeckte einen kräftigen Baum, lief zu ihm und landete mit einem Sprung in seinem Geäst. Er öffnete das obere Ende der Lederhülle, um das Kurzschwert griffbereit zu haben. Dann nahm er den Reflexbogen zur Hand und legte den ersten Pfeil auf.


Fortsetzung folgt...

Kommentare und Diskussionen zu diesem Text

Kontextmenü zu diesem Text

Mehrteiler-Navigation

Dies ist ein Kapitel des mehrteiligen Textes Warhofen.
Gehe zum vorherigen Teil namens V. Die Burg 2/2. Gehe zum Inhaltsverzeichnis Gehe zum nächsten Teil namens VII. Die Krieger.

Statistik

Veröffentlicht am 19.06.2017, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 21.06.2017). Dieser Text wurde bereits 59 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 29.06.2017.

Empfohlen von:

Kommentieren, Bewerten, Empfehlen...

Text kommentieren

Informationen

Mehr über TrekanBelluvitsh
Mehr von TrekanBelluvitsh
Mail an TrekanBelluvitsh

Blättern:

voriger Text

Weitere 10 neue Erzählungen von TrekanBelluvitsh:

XI. Feuer XIII. Epilog XII. Tanz den Tod und Teufel X. Fleisch VII. Die Krieger VIII. Der Angriff V. Die Burg 2/2 IX. Blut Warhofen IV. Der Besuch 2/2

Mehr zum Thema "Entscheidung" von TrekanBelluvitsh:

XII. Tanz den Tod und Teufel XIII. Epilog Warhofen XI. Feuer X. Fleisch IX. Blut VIII. Der Angriff VII. Die Krieger V. Die Burg 2/2 IV. Der Besuch 2/2 V. Die Burg 1/2 IV. Der Besuch 1/2 II. Das Dorf III. Das Gasthaus I. Der Wanderer

Was schreiben andere zum Thema "Entscheidung"?

Mit Haut und Haar (Kullakeks) XXXV. (Sweet_Intuition) fortwachsend (Kullakeks) Ich bin wieder da (elvis1951) Das Böse (Jericho) faxen dicke (harzgebirgler) beherzt (harzgebirgler) Schwere Entscheidung (IngeWrobel) herkules am scheideweg (harzgebirgler) Gut gemeint (loslosch) und 174 weitere Texte.

Hinweis zum Urheberrecht

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. mehr Infos dazu.

Seitenleiste

Hallo Gast!

Login-Formular


Noch nicht registriert? jetzt kostenlos anmelden!

Neu bei uns sind folgende Autoren und Leser:

Leser Klopfer (seit 28.06.), Leser queen_5558 (seit 26.06.), Leser crischo (seit 21.06.), Autor Habakuk (seit 15.06.), Autor Raumknödel (seit 06.06.), Leser Pictory (seit 04.06.), Leser Schimmelreiter (seit 31.05.), Leser nastrovje (seit 24.05.), Leser JennyKretschmer (seit 23.05.), Autor Tedduard (seit 22.05.), Leser fraeulein_gala (seit 16.05.), Autor Singularität (seit 16.05.)...

Wen suchst Du?

Zur Zeit online:

Piri, Sätzer, TassoTuwas und 461 Gäste

Keinverlag.de ist die Heimat von 858 Autoren und 139 Lesern. Heute wurden bereits 9 neue Texte veröffentlicht. Was es sonst noch an Neuem gibt, steht hier.

Der neueste Beitrag im Forum:

Re: Kommt zum Jahrestreffen! von NimbusII (29.06.2017, 05:36 im Forum Schwarzes Brett)
alle neuen Themen

Lest doch mal einen Zufallstext!

Hauptmenü

  1. Startseite
  2. SiteMap
  3. Neues:
  4. Texte
  5. Themen
  6. Kolumnen
  7. Team-Kolumnen
  8. Autoren
  9. Termine
  10. Mein Menü (nur für angemeldete User)
  11. Anmeldung (für neue Benutzer)
  12. Community
  13. Foren
  14. Informationen
Copyrighthinweise

© 2003-2017 keinverlag.de | Impressum | Nutzungsbedingungen | Made by Language & Web